Die Nordsee ist ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans im nordwestlichen Teil Europas. Auf drei Seiten ist sie fast durchgängig von Land begrenzt. Auf der 150 Kilometer langen Küste des Meeres leben rund 80 Millionen Menschen.

Geschichte

Vor 18 000 Jahren war das gesamte südliche Gebiet der heutigen Nordsee eine Landmasse und Skandinavien lag unter einer dicken Eisschicht. Heute verfangen sich von Zeit zu Zeit steinzeitliche Geräte in den Grundschleppnetzen der Fischer, die über das Leben der damaligen Bewohner Zeugnis ablegen. Aufgrund des Gletscherrückzuges begann der Meeresspiegel vor 10 000 Jahren anzusteigen. Im Laufe der folgenden Jahrtausende dehnte sich die Küstenlinie dann Richtung Süden aus.
Erste politische Grenzen sind seit dem Frühmittelalter bekannt. Ab diesem Zeitpunkt bis ins 20. Jahrhundert war die Nordsee Schauplatz vieler Kriege um die Vorherrschaft in Europa.
Die Nordsee wurde auch als Handelsweg immer bedeutsamer. Bereits im 12. Jahrhundert bildete sich die so genannte Hanse, ein Zusammenschluss niederdeutscher Kaufleute, die sich aufgrund gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen vereinigt hatten und eine sichere Überfahrt über die Nordsee erreichen wollten.

Natürliche Vielfältigkeit

Von Fjorden und Kliffen im Norden bis hin zu Flachküsten und Wattenmeer im Süden – die Nordsee ist eine vielfältige und artenreiche Landschaft. Teile des fast komplett unter Naturschutz stehenden Wattenmeeres, das von Dänemark bis in die Niederlande reicht, gehören sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe. Auf geführten Wattwanderungen kann man den Lebensraum von beispielsweise Mikroalgen, Zooplankton, 50 Arten Fische und 60 Arten Vögel bewundern. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Nordsee als Reiseziel entdeckt und die Faszination dieser besonderen Naturnähe hat bis heute seine Attraktivität nicht verloren.

Nutzung

Die Nordsee wird vom Menschen auf vielfältige Weise genutzt. Noch immer ist sie ein wichtiger Handelsweg; die südliche Nordsee inklusive des angrenzenden Ärmelkanals gilt als die am dichtest befahrene Schiffahrtsregion der Welt. Darüber hinaus existieren unter der Meeresoberfläche große Erdöl- und Erdgasreserven, die seit den 1970er Jahren abgebaut werden. Seit einigen Jahrzehnten werden außerdem die küstennahen Gebiete zur Energiegewinnung mittels Windkraftanlagen genutzt. Da die Nordsee großen Fischvorkommen Lebensraum bietet, ist die kommerzielle Fischerei weit verbreitet.
Allerdings bringt die Nutzung des Meeres zahlreiche Probleme mit sich. Durch die Einleitung von Schadstoffen und Abwässern, sowie durch Überfischung kommt es zu starken Umweltveränderungen. Aus diesem Grunde wird seit vielen Jahren aktiver Küsten- und Umweltschutz betrieben.